Schulwahl
Welche Schule ist die richtige?
Einschulung
Schulform
Weiterführende Schulen
Aufgrund der vorhersehbaren Schwierigkeiten ist die Einschulung oder
der Schulwechsel auf eine weiterführende Schule ein
einschneidender und auch schwieriger Übergang im Leben eines
Kindes mit ADHS. Viele Eltern überlegen deshalb intensiv, wann
ihr Kind eingeschult werden soll und welche Schulform am Besten
geeignet ist. Sie als Lehrer sind in diesem Punkt zum einen
häufig als Berater für die Eltern gefragt. Zum anderen müssen
Sie gegebenenfalls Empfehlungen/ Beurteilungen zum Schulwechsel
abgeben.
Ist ADHS schon vor der Einschulung bekannt, kommt vielleicht auch bei einer
ansonsten normalen Entwicklung die Frage auf, ob das Kind
zunächst noch ein Jahr zurückgestellt werden soll. Positiv wäre
daran, dass das Kind mehr Zeit für seine individuelle
Entwicklung hat. Auf der anderen Seite bleibt eventuell weniger
Spielraum für die Wiederholung einer Klasse während der
Grundschule, da das Kind dann sehr viel älter als seine
Klassenkameraden wäre. Eine Übergangslösung können
Schulkindergärten sein, die auf die speziellen Bedürfnisse der
Kinder eingehen und sie so langsam an die Schule heranführen
können.
Jede Schule ist anders
Vor der Einschulung stellt
sich die Frage, welche Schule das Kind besuchen soll. Vielleicht
fragen Eltern auch bei Ihnen an, ob ein Kind mit ADHS
aufgenommen wird. Sie können den Eltern – und sich selbst – hier
Sicherheit bieten, indem Sie vorher miteinander sprechen. So
können wichtige Fragen geklärt werden, z.B.
- Passen die Einstellung von Schule und Eltern in Bezug auf ADHS zusammen?
- Welche Angebote möchten die Eltern für Ihr Kind?
- Welche Maßnahmen setzen die Eltern zu Hause um?
Außerdem sollten Sie ehrlich hinterfragen, ob eine optimale Betreuung eines
Kindes mit ADHS in Ihrer Schule geleistet werden kann. Wenn ja,
in welcher Klasse? Wenn nein, was für Voraussetzungen müssten
geschaffen werden?
- Gibt es Lehrer, die besonders erfahren im Umgang mit von ADHS betroffenen
Kindern sind?
- Wie groß sind die Klassen?
- Wie ist der Unterricht strukturiert?
- Gibt es spezielle Angebote für Kinder mit ADHS?
Alternative Schulformen
Viele Eltern überlegen, ob alternative Schulformen wie Montessori- oder
Waldorf-Schulen für ihre Kinder mit ADHS besser geeignet sind.
Vielleicht denken auch Sie in Bezug auf Ihre Empfehlungen
darüber nach. Folgende Punkte sollten dabei berücksichtigt
werden.
- Positive Merkmale, die häufig bei alternativen Schulformen auftreten:
- Geringerer Leistungs- und Notendruck
- Größere Berücksichtigung der Individualität des Kindes
- Stärkere Förderung der Sozialkompetenz
- Kritische Punkte, die auf alternative Schulformen zutreffen können:
- Forderung von Eigeninitiative und selbstständigem Lernen, wenig Angebot von
Regeln und Strukturen
- Je nach Schulform größere Klassenverbände
- Übersehen von eventuellen Leistungsschwächen durch fehlende Notengebung,
keine Gegenregulierung/ Fördermaßnahmen
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Gerade bei Kindern mit ADHS ist die Empfehlung des
weiteren Schulwegs eine besonders schwierige Frage.
Spezielle Förderung
Manchmal wird fälschlicherweise angenommen, die Diagnose ADHS sei ein
Kriterium für den Besuch einer Förderschule: Dies ist im
Normalfall nicht so. Grundsätzlich sollte der Besuch einer
Regelschule möglich sein und angestrebt werden. Sind die
Schulprobleme durch die ADHS sehr ausgeprägt, kann als
Hilfestellung auch eine so genannte Integrationshilfe beim
Jugendamt beantragt werden. Der Besuch einer Förderschule kann
sinnvoll sein, wenn zusätzlich zu der ADHS auch die
Voraussetzungen für den Förderschwerpunkt gegeben sind.
Was kann das Kind leisten?
Bei der Empfehlung einer Schulform
sollte außerdem berücksichtigt werden: Wählt man eine Schulform
aus, die dem Leistungsmaximum des Kindes entspricht, erhält das
Kind bei Gelingen den höchstmöglichen Abschluss. Auf der anderen
Seite kann die andauernde maximale Anstrengung für einen
minimalen Erfolg die Frustration und Abneigung gegen die Schule
erhöhen.
Schulen speziell für ADHS
In den letzten Jahren sind einige
spezielle Schulen oder Internate für Kinder mit ADHS eröffnet
worden, die sich in ihrem Konzept ganz auf die typischen
Verhaltensweisen dieser Kinder einstellen. Da diese Schulen
häufig Privatschulen sind, entstehen zusätzliche Kosten für die
Eltern. Allerdings kann der Besuch dieser speziellen Schulen/
Internate unter Umständen vom Jugendamt bezuschusst werden. Als
Anlaufstellen für weitere Informationen können Sie den Eltern
regionale Selbsthilfegruppen nennen. Links zu diesen speziellen
Schulen finden Sie
hier.