Hausaufgaben
Hausaufgaben sind für viele Kinder mit ADHS die schlimmste Strafe. Sie
dauern oft wesentlich länger als bei ihren Klassenkameraden und
sind dann noch nicht einmal von Erfolg gekrönt. Die Schwierigkeiten
beginnen schon beim Notieren der Hausaufgaben in der
Schulstunde: Häufig wissen die Kinder gar nicht erst, ob und was
sie aufbekommen haben.
Für die Eltern wird die Hausaufgabenzeit genauso zur Geduldsprobe:
ständiges Ermahnen, Aufpassen und Überwachen. Nicht selten führt
das gemeinsame „Hausaufgaben machen“ zu einem handfesten Streit
oder den gefürchteten Wutausbrüchen des Kindes. Diese Problematik kann
sogar dazu führen, dass die Eltern lieber die Hausaufgaben
vernachlässigen, als sich auf den täglichen Kampf mit dem Kind
einzulassen.
Ein Teufelskreis entsteht
Es entsteht ein Teufelskreis: Die Hausaufgaben werden als ständiger
Misserfolg empfunden, deshalb werden sie nicht gemacht, der
Lernstoff wird verpasst und die Hausaufgaben noch mehr zu einem
„unbezwingbaren Grauen“.
Das Nervenkostüm leidet
Auch für Sie als Lehrer ist es anstrengend und frustrierend, wenn das Kind
immer wieder dadurch auffällt, dass es ohne Hausaufgaben im
Unterricht sitzt. Durch den versäumten Stoff hinkt das Kind dem
Lehrstoff hinterher, empfindet eventuell noch mehr Abneigung
gegen die Schule und wird immer unzugänglicher für Ihre
Hilfestellungen.
Obwohl die Hausaufgaben natürlich nicht mehr in Ihren Wirkungsbereich
fallen, können Sie mit recht einfachen Methoden in
Zusammenarbeit mit den Eltern das Kind dabei unterstützen,
diesen Teufelskreis zu durchbrechen.
Ein Hausaufgaben-Heft ist Pflicht
Das Kind sollte ein großes, auffälliges Heft, das leicht zu finden ist, als
Hausaufgabenheft führen. Es erleichtert die Heftführung, wenn
Wochentage und Stunden schon vorgeschrieben sind und nur die
aktuellen Daten ausgefüllt werden müssen. Als Motivationshilfe
können auch Kästchen eingeführt werden, die nach getaner Arbeit
abgehakt werden. Am Anfang kann es sinnvoll sein, wenn Sie die
eingetragenen Hausaufgaben im Heft abzeichnen.
Hausaufgaben schriftlich fixieren
Mündlich mitgeteilte Hausaufgaben wird das Kind höchstwahrscheinlich nicht
aufnehmen oder sofort wieder vergessen. Besonders, da diese
häufig am Ende der Stunde, wenn das Kind schon „auf dem Sprung“
ist, erteilt werden. Besser ist es, die Hausaufgaben an die
Tafel zu schreiben und genügend Zeit zum Notieren in den
Stundenablauf einzuplanen.
Austauschheft einführen
Manchmal kann es sinnvoll sein, dass sich Lehrer und Eltern über den
Schultag oder die Ereignisse zuhause austauschen, z.B. ob es
besondere Schwierigkeiten bei den Hausaufgaben gab. Dafür kann
ein Kontaktheft angelegt werden. Auf keinen Fall sollten solche
Bemerkungen in das Hausaufgabenheft des Kindes geschrieben
werden. Zusätzliche Informationen in diesem Heft sind
kontraproduktiv für die Organisation des Kindes.
Dauer der Hausaufgaben
Für viele Eltern ist es schwierig, abzuschätzen, wie lang das Kind
Hausaufgaben machen sollte und wann es aufhören darf. Auf der
einen Seite wollen sie nicht, dass es den Anschluss verliert,
auf der anderen Seite führen erzwungene Arbeitszeiten eher zu
Streitereien als zu erledigten Aufgaben im Heft.
Manchmal hilft es hier, wenn Sie mit den Eltern feste Zeiten ausmachen, wie
lange die Hausaufgaben maximal dauern sollten. Auch hier kann
sich das Austauschheft als hilfreich erweisen: Sie können
Kommentare zu den Aufgaben hinterlassen und die Eltern können
berichten, wie die Hausaufgabenzeit verlaufen ist. Eine andere
Möglichkeit ist, das Kontingent der Hausaufgaben vorübergehend
anzupassen und weniger aufzugeben.
Bemühungen belohnen
Das Kind braucht eine Rückmeldung zu den Hausaufgaben, ansonsten wird es
ihren Sinn anzweifeln und noch weniger Motivation aufbringen.
Belohnen Sie auch die Anstrengungen eines Kindes: Wenn es trotz
großer Bemühungen sehr lange für eine geringe Anzahl Aufgaben
gebraucht hat, wird es motivierter sein, wenn Sie dies aktiv
belohnen.
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Ratschläge an die Eltern
Wenn die Eltern offen für Ratschläge sind, können folgende Tipps für die
Hausaufgabenzeit helfen:
- Die Eltern sollten in der Nähe oder dabei sein, wenn das Kind Hausaufgaben
macht.
- Das Kind sollte immer am gleichen Arbeitsplatz, idealerweise am
Schreibtisch, sitzen. Der Platz sollte schon vorher, z. B. am Abend davor,
aufgeräumt und möglichst leer sein.
- Eine regelmäßige Hausaufgabenzeit, z.B. immer nach dem Essen, hilft, sie
als festen Tagespunkt zur Routine werden zu lassen. Je später der Tag desto geringer wird die Konzentration, deshalb sollte der Zeitrahmen nicht zu spät gelegt werden.
- Ablenkung während der Hausaufgaben sollten vermieden werden. Dabei ist es
wichtig an alle Sinne zu denken, besonders an Sehen und Hören.
- Klare Regeln festlegen: Kein Spielen, Essen, Telefonieren oder andere
„Ablenkungen“ während der Hausaufgaben.
- Feste Mini-Pausen zur Erholung helfen dem Kind, z. B. jede halbe Stunde 5
Minuten Pause. Dauern die Hausaufgaben länger als eine Stunde, sollte eine große
Pause von 15 Minuten eingeplant werden.
- Genau wie in der Schule sollten alle Bemühungen und Anstrengungen des Kindes
anerkannt werden, auch wenn die Ergebnisse vielleicht noch verbesserungswürdig
sind.
Mehr Informationen und Tipps für Eltern finden Sie auch auf der
Seite für Eltern.