Diagnose
Diagnosestellung einer ADHS
Ablauf einer ADHS-Diagnosestellung
Haben die Eltern oder eine andere Bezugsperson, wie
Sie als Lehrer, den Verdacht, dass ein Kind unter einer ADHS
leidet, so ist in jedem Fall eine ärztliche Abklärung nötig.
Medizinische Laien, auch wenn sie das Kind gut kennen und
Vorwissen auf diesem Gebiet mitbringen, können nicht beurteilen,
ob ein Kind tatsächlich an ADHS leidet. Jedoch können Sie einen
wichtigen Beitrag zur Diagnosestellung leisten, da sie wertvolle
Informationen über das Verhalten des Kindes liefern.
Die Diagnosestellung einer ADHS ist ein komplizierter Prozess: Es gibt
keinen eindeutigen medizinischen Test, der entweder positiv oder
negativ ausfällt und auch kein einzelnes Symptom, das unfehlbar
auf ADHS hinweist. Vielmehr gibt es eine Vielzahl von
Erkrankungen, die ähnliche Symptome auslösen können und im
Diagnoseverfahren ausgeschlossen werden müssen.
ADHS-Behandlung gehört in die Hände von spezialisierten Experten
Als Ansprechpartner können Sie den Eltern Kinder- und
Jugendärzte mit einer entsprechenden Weiterbildung oder Kinder-
und Jugendpsychiater empfehlen. Einige dieser Ärzte haben sich
sogar auf die Diagnostik und Behandlung von ADHS spezialisiert.
Mehr Tipps zum Gespräch mit den Eltern finden Sie im Kapitel „
Über
ADHS reden“.
Im Folgenden wird eine typische Diagnosestellung beschrieben, die Ihnen
zeigen soll, wie dieser Prozess ablaufen kann.
1. Gespräche
Die Diagnosefindung einer ADHS beginnt
üblicherweise mit ausführlichen Gesprächen. Deren Ziel ist es,
dass der Arzt sich ein möglichst genaues Bild von dem Kind, den
Symptomen und damit verbundenen Schwierigkeiten machen kann. In
Gesprächen mit den Eltern, dem Kind selbst und anderen
Bezugspersonen sammelt er möglichst viele Informationen.
Sie als Lehrer sind ein wichtiger Ansprechpartner für den Arzt, da Sie das
Kind regelmäßig, über einen längeren Zeitraum und in einer
besonders schwierigen Situation erleben. Ideal für die
Einschätzung des Schülers wäre dabei eine Hospitation des Arztes
im Unterricht. Dies ist aber aus zeitlichen und
organisatorischen Gründen meist nicht möglich, so dass ein
persönliches oder telefonisches Gespräch zwischen Lehrer und
Arzt weitaus üblicher ist.
Typische Fragen könnten dabei z.B. sein, wie Sie das Kind in der Schule
erleben, wo es besondere Schwierigkeiten hat usw. Vielleicht
bittet der Arzt auch um Einsicht in Beurteilungen, Arbeitshefte
und Zeugnisse des Schülers.
Einige Ärzte nutzen als Unterstützung für diese Gespräche auch
vorgefertigte Fragebögen. Ein Beispiel für einen solchen
Fragebogen finden Sie hier. Näheres zu den rechtlichen
Hintergründen, welche Informationen Sie mitteilen dürfen, finden
Sie im Kapitel
„Rechte
und Pflichten“.
2. Körperliche und neurologische Untersuchung
Zur
Diagnosestellung gehört auch eine umfassende körperliche
Untersuchung. Dabei werden grundlegende Dinge wie Gewicht,
Größe, Blutdruck und Puls, Seh- und Hörvermögen untersucht, um
mögliche andere körperliche Ursachen für die Symptome
herauszufiltern oder auszuschließen. Auch eine Blutuntersuchung
ist nicht unüblich, um eine Funktionsstörung, z.B. der
Schilddrüse, auszuschließen.
3. Testpsychologische Untersuchungen
In Intelligenz- und
Entwicklungstests soll nicht nur der Intelligenz-Quotient (IQ)
des Kindes bestimmt, sondern auch die Konzentrationsfähigkeit
und die Entwicklung von Lösungsstrategien beobachtet werden.
Auffällige Verhaltensweisen bei der Durchführung der Tests können die
Diagnose ADHS erhärten. Außerdem können die Ergebnisse auf
andere Probleme hinweisen, die Ursache für die Symptome sein
oder auch zusätzlich zu einer ADHS vorliegen können, z.B. eine
Lese-Rechtschreib-Schwäche.
4. Verhaltensbeobachtungen
Vor allem auch im direkten Umgang
mit dem Kind sammeln die Ärzte während des gesamten
Diagnosevorgangs wertvolle Informationen. Der Experte kann
beobachten, wie es sich im Gespräch und bei den Tests verhält
und bezieht dies in die Diagnose mit ein.
Ergebnisse der Diagnose
Wenn die Untersuchungen abgeschlossen
sind, stellt der Arzt auf Grundlage der Ergebnisse eine
Diagnose.
Zu berücksichtigen ist dabei, dass fast alle Kinder manchmal ADHS-Symptome
aufweisen, z.B. sind Kinder häufig in einer bestimmten
Entwicklungsphase sehr unruhig.
Um eine ADHS von diesen „normalen“ Phasen abzugrenzen, müssen die Symptome
einer ADHS
- nicht dem Alter und Entwicklungsstand entsprechen
- vor dem 7. Lebensjahr aufgetreten sein
- länger als 6 Monate bestehen
- sehr ausgeprägt sein
- soziale oder Lernleistungsbereiche deutlich beeinträchtigen und
- in mehr als zwei Lebensbereichen, also z.B. in der Schule und der Familie,
auftreten.
Mehr über die Anzeichen, auf die hier geachtet wird, erfahren Sie im Bereich
Bibliothek.
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