Behandlung

Behandlungsoptionen
Verhaltenstherapie
Medikamente
Ergänzende Behandlungsmöglichkeiten
Alternative Behandlungsmethoden

Behandlungsoptionen

Ist eine ADHS diagnostiziert worden, so gilt es, die beste Behandlungsmöglichkeit für den Betroffenen zu finden. Idealerweise arbeiten dabei der Arzt, die Eltern und das Kind als Team zusammen, um herauszufinden, welche Therapieansätze am besten geeignet sind.

Als pädagogischer Experte werden viele Eltern auch Sie dabei um Rat fragen: Wichtig ist, dass sie sich ausreichend über die Möglichkeiten und Wirksamkeit von Therapieverfahren informieren und mögliche Empfehlungen mit dem behandelnden Arzt absprechen. Außerdem kommt Ihnen eine wichtige Rolle beim Erkennen von Problemfeldern zu: Schließlich erleben Sie das Kind in herausfordernden Situationen und haben einen guten Vergleich zur Entwicklung seiner Altersgenossen.

Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass Therapieerfolge in einem Bereich immer mit einer Verbesserung in allen anderen Bereiche einhergehen, also z.B. eine Verbesserung der Motorik auch direkt Verhaltensprobleme in der Schule löst. 

In der Regel ist deshalb eine Kombination aus verschiedenen Maßnahmen, ein so genannter multimodaler Ansatz, am erfolgversprechendsten. Als Behandlungsoptionen stehen allgemeine symptomatische Maßnahmen wie die Verhaltenstherapie und medikamentöse Therapiemaßnahmen zur Verfügung.

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Verhaltenstherapie

Unter dem Überbegriff Verhaltenstherapie sind eine Vielzahl verschiedener therapeutischer Methoden zusammengefasst, die ganz unterschiedliche Schwerpunkte haben können: Rollenspiele, Konzentrationstraining, soziales Kompetenztraining oder Ähnliches.

Ziel der Verhaltenstherapie ist es, positive Verhaltensmuster zu verstärken und negative abzubauen, z.B. durch Belohnungssysteme oder Zeitpläne. Dabei wird, gerade wenn das Kind noch jünger ist, nicht nur mit dem Betroffenen, sondern auch mit seinen Bezugspersonen gearbeitet. Das Elterntraining baut ebenfalls auf einem verhaltenstherapeutischen Prinzip auf.

Verhaltenstherapie wird von vielen Experten als eine effektive Behandlungsmethode für ADHS-Betroffene angesehen. Welche Art von Verhaltenstherapie für ein Kind am Besten geeignet ist, muss immer individuell entschieden werden. Verhaltenstherapie kann in Deutschland bei der Krankenkasse beantragt werden: Bei Bewilligung werden die Kosten übernommen.

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Medikamente

Der Einsatz von Medikamenten zur Behandlung einer ADHS wird insbesondere unter Pädagogen kontrovers diskutiert. Richtig ist hierbei, dass nicht jedes Kind mit ADHS Medikamente benötigt. Bei ausgeprägteren Symptomen oder wenn der Leidensdruck des Betroffenen groß ist, ist die medikamentöse Behandlung jedoch ein wichtiger Baustein der Therapie. Zum Teil ist sie sogar die Grundlage dafür, dass andere therapeutische Maßnahmen, wie z.B. eine Verhaltenstherapie, überhaupt erfolgreich durchgeführt werden können. Das wäre z.B. der Fall, wenn das Kind ohne Medikamente gar nicht aufnahmefähig genug dafür wäre.

Durch den großen Medienrummel zu dem Thema Medikamente haben sich viele Fehlinformationen, Vorurteile und Ängste in den Köpfen festgesetzt – mehr Informationen dazu finden Sie in dem Bereich Mythen.

Medikamente machen Kinder nicht schlauer
Medikamente, die bei ADHS eingesetzt werden, sind keine „Wunderpillen“. Sie machen das Kind nicht schlauer  – ein Kind, das seine Englisch-Vokabeln nicht gelernt hat, wird sie auch durch die Einnahme der Tablette nicht können. Aber Medikamente können dem Kind helfen, sein Potenzial auszuschöpfen: Also z.B. die nötige Ruhe und Aufmerksamkeit aufzubringen, sich zumindest eine gewisse Zeit auf die Vokabeln konzentrieren zu können.

Unerwünschte Wirkungen
Wie bei allen Arzneimitteln können auch bei der medikamentösen Behandlung von ADHS unerwünschte Wirkungen auftreten. Diese sind häufig nur vorübergehend oder legen sich fast immer mit dem Absetzen der Medikamente wieder.

Bekannte unerwünschte Wirkungen sind verringerter Appetit, Schlafstörungen und Bauch- und Kopfschmerzen. Bei wenigen Kindern treten auch so genannte Tics (1-2%), Weinerlichkeit und Depressivität oder Blutdrucksteigerung auf.

Während früher Wachstumsverzögerungen als unerwünschte Wirkungen mit der Behandlung mit Methylphenidat in Verbindung gebracht wurden,  bestätigte sich dieser Zusammenhang in neueren Studien nicht.

Bei Kindern mit einem Anfallsleiden sollte die medizinische Therapie mit Psychostimulanzien nur mit großer Vorsicht durchgeführt werden.

Wenn Sie unerwünschte Wirkungen bei dem Kind beobachten, sollten Sie diese auf jeden Fall den Eltern oder, mit deren Erlaubnis, dem Arzt mitteilen.

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Ergänzende Behandlungsmöglichkeiten

Es gibt viele weitere ergänzende, sogenannte adjuvante, Therapiemethoden, die bei ADHS eingesetzt werden können.

Wichtig ist, dass die Behandlung individuell auf den Betroffenen bzw. die Problematiken zugeschnitten ist – besonders da durch die ADHS-Symptomatik andere Problemfelder, wie z.B. eine sehr angespannte Familiensituation, entstehen können.

Elterntraining
Speziell auf ADHS ausgerichtete Elterntrainings werden in Deutschland in verschiedenen Formen, Längen und basierend auf unterschiedlichen Methoden angeboten. Ziel der Maßnahmen ist, durch neue Strategien oder Verhaltensänderungen den Alltag zu erleichtern und das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern zu verbessern. Elterntrainings werden häufig von Psychotherapeuten, Familienberatungsstellen oder Kliniken angeboten. Einige, aber nicht alle Elterntrainings werden von der Krankenkasse übernommen.

Entspannungstraining
Bei Entspannungstrainings wird durch verschiedene Methoden wie autogenes Training versucht, Anspannungen abzubauen und die Kinder zu beruhigen. Die Wirksamkeit solcher Verfahren bei Kindern mit ADHS ist noch nicht überzeugend bewiesen. Entspannungsverfahren können möglicherweise hilfreich als zusätzliche Maßnahme im Rahmen eines gesamten Therapieprogramms sein.

Ergotherapie
Ergotherapie geht von einer ganzheitlichen Sicht des Kindes aus und versucht, seine Stärken und Schwächen herauszustellen. Wichtig ist dabei eine konkrete Ausarbeitung von Problemen und Lösungsstrategien, die an der Alltagswelt des Kindes orientiert sind. Ergotherapie kann zum Beispiel bei feinmotorischen Schwierigkeiten oder Problemen der visuellen Wahrnehmung helfen. Ergotherapie kann vom Arzt verordnet werden.

Familientherapie
In der Familientherapie liegt der Fokus auf der Beziehung zwischen den Familienmitgliedern.
 Es wird davon ausgegangen, dass durch eine Analyse und Veränderung der Beziehungen zwischen den Familienmitgliedern auch Verhaltensprobleme verbessert werden können.

Zur Wirksamkeit der Familientherapie bei ADHS gibt es kaum Studien. Sie kann jedoch hilfreich sein, wenn sich sehr starke Beziehungsprobleme im Verhältnis der Familienmitglieder entwickelt haben, z.B. dass die Geschwisterrivalität so stark ist, dass sich das Verhältnis auch durch eine Verbesserung der ADHS-Symptome nicht erholt.

Neurofeedback
Beim Neurofeedback sollen die Kinder mit Hilfe eines Computerprogramms bewusst ihre Hirnaktivität trainieren. Es gibt bis jetzt nur wenige Studien zu Neurofeedback, die zwar erfolgversprechend aussehen, aber noch keine abschließende Bewertung zulassen.
Neurofeedback ist verhältnismäßig aufwändig und es gibt aktuell noch wenige Anbieter. Außerdem wird die Methode häufig nicht von den Krankenkassen übernommen.

Psychomotorik
Ziel der Psychomotorik ist es, Sinnes- und Körperwahrnehmung sowie Körperkontrolle durch eigenes Erleben zu üben. Da ADHS-Kinder häufig ein gestörtes Körpergefühl haben, kann diese Methode zur Verbesserung beitragen. Psychomotorik kann vom Arzt verordnet werden.

Sprachtherapie
Die Sprachentwicklung von Kindern mit ADHS kann verzögert oder gestört sein (siehe auch Symptome und Schwierigkeiten). Für solche Kinder kann eine Sprachtherapie sinnvoll sein. Ein Sprachtherapeut oder Logopäde kann die Probleme genau lokalisieren und mit gezielten Übungen verbessern. Sprachtherapie kann vom Arzt verordnet werden.

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Alternative Behandlungsmethoden


Viele Eltern ziehen auch so genannte alternative Behandlungsmethoden in Betracht – entweder begleitend zu verschreibungspflichtigen Medikamenten oder als einzelne Behandlungsmethode.

Diätetische Maßnahmen
In den Medien wird immer wieder berichtet, ADHS sei durch die Vermeidung oder Zufuhr bestimmter Lebensmittel oder Zusatzstoffe zu beeinflussen. Dieser Zusammenhang konnte wissenschaftlich bisher jedoch noch nicht nachgewiesen werden. In einer Studie fand man einen Hinweis auf einen möglichen Zusammenhang zwischen der Aufnahme bestimmter Zusatzstoffe und einer erhöhten Hyperaktivität bei Kindern. Die Studie zeigte allerdings keinen eindeutigen Beweis für einen kausalen Zusammenhang.

Es kann einen Versuch wert sein, bestimmte Zusatzstoffe in der Nahrung zu vermeiden. Bei einer Diät sollte berücksichtigt werden, dass strikte diätetische Vorgaben zu einseitiger Ernährung und damit Mangelernährung führen können. Auch eine Einnahme von gewissen Nährstoffen kann in hoher Dosis schädlich sein. Deshalb sollten diätetische Maßnahmen auf jeden Fall vorab mit dem behandelnden Arzt besprochen und von ihm begleitet werden.

Seien Sie skeptisch bei Wunderheilungen
Manche ADHS-Behandlungen versprechen ‚unglaubliche Erfolge‘ oder sogar eine ‚Wunderheilung‘. Solche extremen Aussagen sollten Sie immer skeptisch machen:

Raten Sie den Eltern herauszufinden, ob die Maßnahme bzw. das Produkt klinische Studien durchlaufen hat, in denen die Wirksamkeit getestet wurde. Es lohnt sich auch die Meinung einer anerkannten medizinischen Quelle, wie die eines Arztes, einzuholen, bevor man bestimmte Maßnahmen oder Produkte empfiehlt.

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