Der Lehrer
ADHS im Klassenzimmer
Mit dem Lehrer reden
Beziehungspflege
Lehrer sollen ihren Schülern festgelegten Lehrstoff in einer bestimmten Zeit vermitteln und gleichzeitig die Kinder zu sozial kompetenten, selbstständigen und wissbegierigen Erwachsenen erziehen. Diese Aufgabe ist schon im Normalfall eine große Herausforderung.
Ein kleines Experiment
Stellen Sie sich vor, Sie sind der Lehrer einer Klasse mit 30 Kindern. Die „Bande“ ist schon im Normalfall schwer zur Ruhe zu bringen. Doch eines der Kinder in der Klasse braucht zusätzlich immer eine Extra-Aufforderung: Soll es zur Tafel gehen, springt es einfach über die Tische, nach Arbeitszeiten ist sein Heft leer, manchmal scheint es sogar die Aufgabe vergessen zu haben. Überhaupt erscheint für dieses Kind alles interessanter als der Unterricht. Ständig müssen Sie Ermahnen, Verbessern und Auffordern. Eigentlich wäre es am besten, wenn Sie sich den ganzen Tag neben das Kind stellen könnten. Aber in Ihrer Klasse sind noch 29 andere Schüler, die auch nicht jeden Tag brav, folgsam und lernwillig sind. Und der Unterrichtsstoff für diese Woche muss weitergeführt werden, sonst hinken Sie dem Lernplan hinterher.
Eine schwierige Situation für beide Seiten
Das kleine Gedankenexperiment soll zeigen, dass Lehrer häufig über die Situation mit einem Kind mit ADHS genauso verzweifelt sind wie die Eltern. Aus dieser verzwickten Lage kommen Sie am besten gemeinsam heraus: Im Idealfall arbeiten Lehrer und Eltern gemeinsam daran, die Schule so gewinnbringend wie möglich für das Kind zu gestalten.
Um für Ihr Kind die Schule so vorteilhaft wie möglich zu gestalten, sind Gespräche mit dem Lehrer unablässig. Bitten Sie den Lehrer um einen Termin, an dem Sie beide Ruhe und Zeit haben. Gespräche zwischen „Tür und Angel“ sind zu hektisch und kurz für dieses Thema.
Probleme erkennen und angehen
Im Gespräch sollten die Probleme möglichst genau festgestellt werden, um sie dann gemeinsam angehen zu können. Je eher Probleme erkannt werden, desto besser können sie dagegen steuern, bevor die Situation eskaliert. Folgende Punkte können zur Klärung der Situation beitragen.
- Wie verhält sich das Kind in der Schule?
- Hat es Freunde? Wie ist die Beziehung zu den Klassenkameraden?
- Gibt es Leistungsprobleme? Wenn ja, wo genau liegen diese?
- Welche Stärken und Schwächen sieht der Lehrer bei dem Kind?
- Wie reagiert das Kind auf den Lehrer, in welcher Situation?
- Welche Strategien helfen zu Hause?
- Welche Strategien findet der Lehrer hilfreich?
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Ein emotionales Thema
Leider ist das Verhältnis zwischen Lehrern und Eltern nicht immer harmonisch und kooperativ. Es kann auch geprägt sein von gegenseitigen Schuldzuweisungen und Unverständnis. Wichtig ist es, sich auch in die Rolle des Anderen zu versetzen. Bedenken Sie beim Gespräch mit dem Lehrer:
- Eventuell hat sich der Lehrer/ die Lehrerin noch nicht so intensiv wie Sie mit dem Thema ADHS beschäftigt. Besteht vielleicht vor dem Gespräch Interesse an Literatur?
- Als Eltern möchte man sein Kind schützen, besonders vor scharfer Kritik. Betrachten Sie negative Berichte nicht grundsätzlich als Angriff, sondern als Hilfestellung, die Probleme sichtbar zu machen.
- Eventuell verhält sich Ihr Kind in der Schule ganz anders als Zuhause, deshalb kann es sein, dass die vom Lehrer geschilderten Probleme und Sichtweisen für Sie neu sind.
- Versuchen Sie gemeinsam Lösungsvorschläge zu erarbeiten oder schlagen Sie direkt welche vor.
- Machen Sie sich immer wieder klar: Von einer Verbesserung der Situation profitieren beide Parteien.
- Vielleicht haben am Anfang nicht alle Lehrer ein offenes Ohr für das Thema. Wenn aber ein Lehrer neuen Regeln und Methoden gegenüber offen ist, werden diese sich bei Erfolg auch bei den anderen Lehrern durchsetzen.
Zusammenarbeit nicht möglich
Sollten Sie feststellen, dass die Zusammenarbeit mit dem Lehrer auch mit großen Bemühungen nicht möglich ist, können Sie sich z.B. an den Vertrauenslehrer, den Direktor der Schule oder den Schulpsychologen wenden. Als höhere Instanz kann das Schulamt oder die Bezirksregierung eingeschaltet werden. Dabei sollten Sie jedoch bedenken, dass eine konfliktreiche Beziehung zum Lehrer oder zur Schule sich nicht positiv auf die gesamte Atmosphäre auswirkt.
Sollte sich die Situation auch durch die Vermittlung Dritter nicht klären lassen, kann ein Schulwechsel sinnvoll werden. Eine ungenügende Förderung des Kindes sollten Sie auf keinen Fall in Kauf nehmen: Hieraus können Defizite entstehen, die sich nur schwer wieder rückgängig machen lassen.