Diagnose

Was sie und Ihr Kind erwartet
Ablauf einer ADHS-Diagnosestellung

 
Die Diagnosestellung einer ADHS ist ein komplizierter Prozess: Es gibt keinen Test, der positiv oder negativ anschlägt und auch kein einzelnes Symptom, das unfehlbar auf ADHS hinweist.
 
Vielmehr gibt es sogar eine Vielzahl von Erkrankungen, die ähnliche Symptome auslösen können und im Diagnoseverfahren ausgeschlossen werden müssen. Die vielen unterschiedlichen Untersuchungen, die für diesen Prozess notwendig sind, können sowohl Sie als auch Ihr Kind verunsichern.
 
Im Folgenden wird eine typische Diagnosestellung beschrieben, die Ihnen zeigen soll, wie dieser Prozess ablaufen kann. So können Sie sich und Ihr Kind optimal auf die Untersuchungen vorbereiten.

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1. Gespräche
Die Diagnosefindung einer ADHS beginnt üblicherweise mit ausführlichen Gesprächen. Deren Ziel ist es, dass der Arzt sich ein möglichst genaues Bild von Ihrem Kind, den Symptomen und Schwierigkeiten machen kann. Dabei wird der Arzt mit Ihnen reden – schließlich kennen Sie Ihr Kind besonders gut – aber auch mit dem Kind/ Jugendlichen selbst und evtl. mit Bezugspersonen außerhalb der Familie, wie z.B. Lehrern oder Erziehern.
 
Die üblichen Fragen decken unterschiedliche Bereiche ab: Von der Geburt über die Entwicklung des Kindes bis hin zu Erziehungsstil oder Familiensituation. Auch wenn es Ihnen vielleicht komisch vorkommt mit einer fremden Person so detailliert über familiäre Dinge zu sprechen – denken Sie daran: Niemand will Sie ausfragen oder Ihnen die Schuld zuweisen. Der Arzt erlebt Ihr Kind nicht im Alltag: Ein intensives Gespräch mit Ihnen ist seine einzige Möglichkeit, die Situation so gut wie möglich einzuschätzen.
 
 
2. Körperliche und neurologische Untersuchung
Zur Diagnose gehört auch eine umfassende körperliche Untersuchung. Dabei werden so grundlegende Dinge wie Gewicht, Größe, Blutdruck und Puls, Seh- und Hörvermögen untersucht, um mögliche andere körperliche Ursachen für die Symptome herauszufiltern oder auszuschließen.
 
Auch eine Blutuntersuchung ist nicht unüblich, um eine Funktionsstörung, z.B. der Schilddrüse, auszuschließen.
 
3. Testpsychologische Untersuchungen
In Intelligenz- und Entwicklungstests soll nicht nur der Intelligenz-Quotient (IQ) des Kindes bestimmt werden, sondern es sollen auch die Konzentrationsfähigkeit und das Finden bzw. Umgehen des Kindes mit Lösungsstrategien beobachtet werden.
 
Auffällige Verhaltensweisen bei der Durchführung der Tests können die Diagnose ADHS erhärten. Außerdem können die Ergebnisse auf andere Probleme hinweisen, die Ursache für die Symptome sein oder auch zusätzlich zu einer ADHS vorliegen können, z.B. eine Lese-Rechtschreib-Schwäche.
 
4. Verhaltensbeobachtungen
Während des gesamten Diagnosevorgangs sammeln die Ärzte auch im direkten Umgang mit dem Kind wertvolle Informationen. Der Experte kann beobachten, wie sich das Kind im Gespräch und bei den Tests verhält und bezieht dies in die Diagnose mit ein.
 
Ergebnisse der Diagnose
Wenn die Untersuchungen abgeschlossen sind, stellt der Arzt auf Grundlage der Ergebnisse eine Diagnose.
 
Zu berücksichtigen ist dabei, dass fast alle Kinder manchmal ADHS-Symptome aufweisen, z.B. sind Kinder häufig in einer bestimmten Entwicklungsphase sehr unruhig.
 
Um eine ADHS von diesen „normalen“ Phasen abzugrenzen, müssen die Symptome einer ADHS
  • nicht dem Alter und Entwicklungsstand entsprechen,
  • vor dem 7. Lebensjahr aufgetreten sein,
  • länger als 6 Monate bestehen,
  • sehr ausgeprägt sein (soziale oder Lernleistungsbereiche deutlich beeinträchtigen)
  • und in mehr als zwei Lebensbereichen, also z.B. in der Schule und der Familie, auftreten.
Mehr über die Anzeichen, auf die hier geachtet wird, erfahren Sie in der Bibliothek.

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